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Wieder einmal gingen wir auf Tour! Diesmal, verstärkt durch Uta und Karin, geht’s Richtung Norden. Erfurt wir kommen! Bereits im Sommer bei unserem Argentinien-Tripp war klar, dass Erfurt heuer ganz oben in unserem Tangokalender einen Platz erhält. Der Hintergrund hatte nichts mit Erfurt zu tun, sondern eigentlich mit Argentinien! Unser Lieblingslehrerpaar Hector und Silvina haben uns angekündigt, dass Sie hier ihre Europa-Tour beenden werden. Klar, dass wir spontan beschlossen hatten, auch dort zu sein. Eigentlich war meine Erwartungshaltung ja nicht besonders hoch, mal abgesehen vom Treffen mit den beiden Argentinos. Wie auch? Was soll ich in der (Ex-)DDR? Dem Land, in dem die Straßen vor allem aus Löchern bestehen? Gibt’s dort überhaupt Straßen? Mit tausenden Trabis, die uns nicht weiterkommen lassen werden. Mit Betonmassenbehausungen. Und den angefressenen Leuten in grauer Einheitsbekleidung und dem komischen Dialekt alla „Maschendroahtzaun“, die eigentlich alle dort weg wollen. Hoffentlich haben die inzwischen die Essensmarkerl – oder wie auch immer das Zeug geheißen hat – abgeschafft, ich hab überhaupt keine Lust mich für Brot und Wasser stundenlang anzustellen! Bin ja echt schon gespannt, was die unter Tango verstehen! Ich schätz mal, die haben irgendeinen Volksmarsch umbenannt, um ihre Westöffnung zu demonstrieren! Aber was solls, wir wollen ja hauptsächlich Silvina und Hector treffen! Freitag mittags gings also los! Je weiter wir nach Norden kamen, umso mehr überlegte ich, wann ich nach der Reise Zeit hätte, neue Stoßdämpfer einzubaun. Und dann wars soweit: Rechts von uns huscht mit knapp 170 die Tafel „Tühringen“ vorbei. Wir sind bei den Ossis! Mädels, aufgepaßt, schreckt euch nicht, wenns gleich rumpeln anfängt! Rumpeln? Die Autobahn ist 3-spurig und eben, als ob sie gerade jemand mit dem Nudelholz geglättet hat, so was wünsch ich mir bei uns. So Achtung, gleich laufen wir auf den ersten Trabi auf. Naja, die werden sich ja hoffentlich auf die Seite verziehen, wenn sie im Rückspiegel meinen BMW sehen. Noch befinden wir uns auf der mittleren Spur. Sicherheitshalber hab ich mal das Reisetempo auf 160 zurückgeschraubt. Und befinde mich in guter Gesellschaft – zumindest auf der Mittelspur, links von mir huschen dauernd schnellere vorbei. Was ist das? Die haben alle Kennzeichen aus der Gegend! Wo sind die Trabis hin? Geil, da macht Autofahren richtig Spass! Und 5 Stunden für 550 Kilometer inklusive Pinkelpause ist ja nicht schlecht! Das Navi führt uns brav nach Erfurt rein zu unserer Unterkunft. Bei 15 Euro pro Person und Nacht haben wir natürlich nicht die höchsten Erwartungen. Die Zimmer sind schlicht und inklusive dem Gemeinschaftsbad sauber. Unsere Wirtin dürfte schon ein oder zwei Glaserl intus haben – sie antwortet sehr bedächtig – aber von wegen unfreundliche Ossis, sie erklärt uns sogar den Weg Richtung Anger, wo die hiesige Tangoszene daheim ist, fast in Form eines Stegreifspiels: „Also, ich fahre jetzt mit der Straßenbahn und steige aus und dann muß ich gleich links…“ Fast wäre der Platz im Vorhaus zu eng geworden, um uns den gesamten Weg vorzulaufen. Und von wegen „Maschendroahtzaun“, die redet, trotz Schwipserl, absolut verständlich. Nach einer schnellen Dusche - he da gibt’s ja sogar Warmwasser! So heiß, dass man sich verbrennt, wenn man nicht drosselt! – geht’s in die Stadt. Irgendwie kommen Magdalena und ich fast gleichzeitig zum Ergebnis: Da schauts aus wie in Strasbourg. Enge Gassen, Fachwerk- und Backsteinhäuser, in der Mitte ein Fluss an dem wir letztendlich einen Parkplatz finden, einfach süß. Dann mal schnell jemand nach dem Weg gefragt und, komisch, auch der ist total freundlich und erklärt bereitwillig, wo wir hin sollten. Endlich sind wir am Anger angekommen. Ein Platz mit einem großen, hochmodernen Einkaufszentrum, rund herum jede Menge Geschäfte, der Knotenpunkt der Straßenbahnen, Lokale, Straßenmusiker, das schaut total gemütlich aus. Und direkt am Eck ist eine Pizzaria neben dem Eingang zu Esquina del Tango.
Bereits im Stiegenhaus begrüßt uns jemand und schickt uns in den 2. Stock. Da läuft gerade ein Kurs. Als wir die Tür einen Spalt öffnen, grinst uns bereits Silvina entgegen. Sie zeigt gerade mit Hector eine Zusammenfassung der Kursinhalte. Der Raum ist riesig, mit Sitzgelegenheiten, einer gemütlichen Bar, Bildern an der Wand, toller Beleuchtung, ein Traum. Nachdem wir noch Zeit haben bis zum ersten Workshop, beschließen wir in der Pizzaria einen Happen zu Essen. Auf dem Weg hinunter kommt uns der Typ von vorhin wieder unter, in der Zwischenzeit ohne Telefon am Ohr und begrüßt uns gleich mit „Hallo, ich bin Klaus“ ah, das ist der Veranstalter! „Ihr müßt die 4 aus Salzburg sein! Herzlich wilkommen, freut mich, dass ihr da seid!“ und schon ist das nächste Vorurteil weg, schon wieder einer der freundlich ist! Der Küchenchef der Pizzeria stellt sich nicht nur als genialer Koch heraus, sondern beweist auf seiner Speisekarte auch Humor, der besonderen Art: Filetto Perlusconi – Rinderfilet, steht schon beim Eingang. Auf der meterlangen Speisekarte finden wir dann neben Fisch, Fleisch, Pizze noch Feinheiten in der Kinderkarte wie: Fischstäbchen Nemo, und Rehfilet Bambi… wir liegen vor Lachen… Und nur damits auch gesagt ist: Das Essen ist sensationell gut, die Portionen riesig und die Preise indirekt proportional dazu. Klar, dass wir am nächsten Tag wieder hier landen! Kaum sind wir zurück im Tangosaal, werden wir von den Anwesenden begrüßt, in der Zwischenzeit hat sich herumgesprochen, dass „die Ausländer“ da sind. Innerhalb weniger Minuten fühlen wir uns wie unter alten Freunden. Das ist Tango-life-stile pur! Ach ja übrigens, was die da tanzen ist wirklich Tango, und zwar auf einem tollen Niveau.
Dass uns dann Klaus in seiner Eröffnungsrede zur Milonga noch einmal „offiziell“ begrüßt, dass es keine Berührungsängste gibt, dass jeder, mit dem wir ins reden kommen, betont, dass er sich freut, dass wir von Salzburg hergekommen sind… dass sich Klaus fast stündlich bei einem von uns dafür bedankt… dass Bernd (ich glaub so hieß der nette Herr hinter der Bar), mir in den Rauchpausen Erfuter Kultur und Geschichte erklärte… was soll ich sagen, sorry Leute, seit Udo Lindenbergs Sonderzug dürfte sich im Bereich der DDR-Vorurteile einiges getan haben! Und der Rest des Wochenendes? Tja, kurz zusammengefaßt: feine Kurs mit Hector und Silvina, schöne Tänze auf Milonga und Ball, eine spannende Lifeband, jede Menge neuer Tangobekanntschaften, eine herrliche Stadt und das alles in total entspannter Atmosphäre ohne Hektik. .. Also kurz und gut: ein perfektes Tangowochenende! Herzlichen Dank noch einmal an Maike und Klaus und allen anderen, die uns 3 wirklich phantastische Tage bereitet haben! Wenn du hier klickst, kommst du direkt auf die Homepage unserer neuen Freunde! Eurer Christian
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